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Lachen
30.11.2021

Der dritte Wellentanz findet in Lachen statt

Die mit Weisswein gefüllte Boje befindet sich beim Steg beim Joachim-Raff-Platz.
Die mit Weisswein gefüllte Boje befindet sich beim Steg beim Joachim-Raff-Platz. Bild: Erika Unternährer
Der dritte Jahrgang des «Wellentänzer»-Weins des Wangner Weinguts Irsslinger reift in einer Boje, welche am Freitag beim Joachim-Raff-Platz in Lachen eingewassert wurde.

Eiskalt ist es an diesem Freitagmorgen: Bei -2 Grad und Schneeregen warten die Wangner Winzer-Familie Irsslinger und Freunde gespannt auf den Lastwagen, der eine Edelstahlboje mit einem Fassvermögen von 1000 Litern zum Joachim-Raff-Platz in Lachen transportiert. In der Riesenboje befindet sich Weisswein, der noch reifen muss – und zwar im See. Im Wogen des Wassers wird er 70 Tage lang verweilen und so zum 3. Jahrgang «Wellentänzer» werden.

Gegen 9.45 Uhr erreicht der Lastwagen sein Ziel. Winzer Robert Isslinger steigt auf das Gefährt, befestigt die Boje am integrierten LKW-Kran und geht zum Steg, wo im Wasser ein «Böötli» für das weitere Vorgehen bereitsteht. Mit Hilfe des Kranführers wird das Edelstahlgefäss sachte ins Wasser geleitet, wo der Winzer sie per Paddelboot zwischen zwei Pfeilern im See befestigt. Am Ufer wird das Vorgehen mit Spannung und etwas Schlottern verfolgt. Nach dreiviertel Stunden ist die Aktion vollbracht: Die Boje wiegt sich im Seewasser beim Lachner Hafen.

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Die gelagerte Weinmenge wird nach der 70-tägigen Lagerung 1300 Flaschen «Wellentänzer» ergeben. Das ist weniger als erhofft: «Aufgrund des schlechten Sommers fiel die diesjährige Ernte geringer aus als im Vorjahr», erklärt der Winzer. Anstatt zwei Lagerungen à 70 Tagen bleibt es diesmal bei einer.

Eine zufällige Entdeckung hat sich bewährt

Bevor das Ehepaar Irsslinger den «Wellentänzer » in die Schweiz brachte, liess ein befreundeter Winzer in Österreich schon einen Jahrgang auf diese Weise reifen. «Wir probierten den Wein und waren begeistert», erinnert sich der Wangner. In der Folge entstand zwischen dem österreichischen Weingut von Fabian Sloboda und dem Weingut des Ehepaars Irsslinger eine Partnerschaft. «Zusammen wollten wir das Projekt ‹Wellentänzer› weiterentwickeln und einen ersten Jahrgang im Zürichsee entstehen lassen.» Dass sich der Geschmack des Weins verändert, wenn er bei seiner Reifung in stetig leichter Bewegung ist, geht auf eine zufällige Entdeckung im 18. Jahrhundert zurück. Nachdem der Weinmarkt in Übersee zusammenbrach, kehrte das Schiff des Winzers Louis-Gaspard d’Estournel wieder mit vollen Fässern nach Frankreich zurück. In der europäischen Heimat degustierte er den gereisten Wein und stellte fest, dass sich der Geschmack des Weines verändert hatte – und zwar auf eine Weise, welche er und andere Degustierende als durchaus schmackhaft empfanden. Fortan schickte der Winzer seine Weine für die Reifung auf weitere mehrwöchige Schifffahrten.

Erste Vorbestellungen

Der «Wellentänzer», der durch die sanfte Bewegung des Wassers zu seinem Geschmack kommt, scheint auch heute noch von vielen genossen zu werden: «Der 1. Jahrgang war innert drei Wochen ausverkauft», berichtet Irsslinger. Von der Lagerung beim Bürkliplatz im letzten Jahr (2. Jahrgang) seien von den 3600 Flaschen noch wenige übrig, und für den Wellentänzer, der bis Anfang 2022 reifen wird, gibt es schon ein paar Vorbestellungen.

Mehr Infos auf: irsslinger.ch

Erika Unternährer, Redaktion March24 & Höfe24