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Leserbrief
Region
05.02.2022
07.02.2022 12:03 Uhr

Leserbriefe zur Abstimmung über die «Abschaffung der Stempelsteuer»

Bild: zsz.ch
Personen in Ausserschwyz äussern ihre Pros und Kontras zur Initiative in Leserbriefen.

In diesem Video wird die Initiative kurz erklärt: 

Stempelabgabe nicht abschaffen

Wir müssen zur sozialen Gerechtigkeit in unserem Land Sorge tragen. Steuern sind ein fein austariertes System, an dem man nichtunüberlegt herumschrauben darf. Die Stempelsteuer kompensiert unter anderem, dass die Schweiz als einziges Land keine Kapitalgewinnsteuer kennt. Wenn man unüberlegt

an einem Rädchen dreht, gerät das ganze System aus dem Gleichgewicht. Darum stimme ich Nein zur Abschaffung der Stempelabgaben.

Alex Granato, Pfäffikon

 

Nein zum Stempelsteuer-Bschiss

Lediglich 2400 der 602 000 Unternehmen und KMUs der Schweiz mussten im letzten Jahr Stempelsteuern bezahlen. Die Steuer wird dann fällig, wenn eine Firma neue Aktien herausgibt. Ein Prozent der neuen Aktien muss als Stempelsteuer bezahlt werden. Nur die allerwenigsten Unternehmen bezahlen Stempelsteuer. Die muss man nämlich erst bezahlen, wenn man als Firma für mehr als 1 Mio. Fr. eigene Aktien herausgibt. Als im letzten Jahr die Schweizer Schuhfirma ON an die Börse ging, spülte dies der Firma rund 700 Mio. Fr. in die Kassen. Über hundert Millionen mehr, als anfänglich angepeilt. Der Wert der Aktien hat sich inzwischen noch mehr als verdoppelt. Die Beteiligungen der Firmengründer sind inzwischen über eine Milliarde wert. Für den Börsengang mussten sie lediglich 6 Mio. Fr. Stempelsteuer bezahlen.

Grosskonzerne und die Finanz-industrie werden seit Jahrzehnten immer stärker privilegiert. Trotz immensen Gewinnen müssen sie immer weniger Steuern bezahlen. Wenn es nach dem Plan von Economiesuisse und der Konzernlobby geht, werden bald nur noch Lohn, Rente und Konsum besteuert. Die Abschaffung der Stempelsteuer ist Teil dieses Plans. Was uns als Massnahme für krisen-betroffene KMU verkauft wird, wäre im Jahr 2020 hauptsächlich 55 grossen Unternehmen zugutegekommen. Die Steuerausfälle von 250 Mio. Fr. im Jahr müssen wieder einmal alle anderen bezahlen – mit noch höheren Steuern, Gebühren und Abgaben. Diese Entwicklung müssen wir stoppen. Auch grosse Unternehmen sollen sich an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligen. Deshalb sage ich Nein zum Stempelsteuer-Bschiss.

Andreas Marty, SP-Kantonsrat, Arth/Einsiedeln

 

Abschaffung der Stempelsteuer – wer profitiert? 

Welches Argument zieht immer bei Abstimmungen? KMUs (Kleine und mittlere Unternehmungen). Oder für die Jüngeren: Start-ups (Neugründungen). Und so setzen die Wirtschaftsverbände auch bei der Abstimmung vom 13. Februar auf diese argumentative Allzweckwaffe. Bloss: Die Wirklichkeit ist eine andere. Da bei der Kapitalaufnahme eines Unternehmens ein steuerbefreiter Betrag von einer Million gilt, unterliegen kleine KMUs und Start-ups der Stempelsteuer schon heute nicht!

Profitieren würden weniger als 100 kapitalkräftigeFirmen aus dem Finanzsektor – nicht aber der sympathische Handwerker im Dorf oder die idealistischen Start-up-Gründer. Die Folgen der fehlenden Steuereinnahmen dürfen dann Sie und ich ausbaden, durch höhere Steuern oder tie-fere Leistungen.

Ich lasse mir kein X für ein U vormachen und stimme deshalb Nein zur Abschaffung der Stempelsteuer.

Guy Tomaschett, SP-Kantonsrat, Freienbach

 

Nein zum Gesetz über die Stempelabgaben 

Der frühere Preisüberwacher Rudolf Strahm erinnertuns: Die seinerzeitige Einführung der Mehrwertsteuer war nur möglich dank eines sozialen Kompromisses. Die neue Steuer belasteteinsbesondere die Konsumenten. Der Finanzsektor (Banken, Versicherungen) wurden davon ausgenommen. Als Kompromiss blieben deshalb die Stempelabgaben bei Finanzgeschäften bestehen. Diese Balance würde nun mit der – übrigens erneuten – Änderung des Stempelabgaben-Gesetzes zerstört. AusgerechnetKapitalgesellschaften, welche Liegenschaften

und kleinere Firmen zusammenkaufen, würden bei einem Ja noch mehr bevorteilt. Dem Trend, grosse Kapital-Eigentümer immer mehr zu entlasten, die kleinen Konsumenten, Rentner und Krankenkassenprämienzahler hingegen zu rupfen, gilt es mit einem Nein zum Stempelabgaben-Gesetz zu stoppen!

Josef Schuster, Lachen

 

 

Redaktion March24 & Höfe24