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Reichenburg
07.01.2021

300 Meter lange Uhr wurde zum Adventslicht in dunkler Zeit

Das Lichtband der 300 Meter langen Morloge in Reichenburg verlief entlang der Mittelbergstrasse, des Rütibachs und des Schussfelds beim Schützenstand.
Das Lichtband der 300 Meter langen Morloge in Reichenburg verlief entlang der Mittelbergstrasse, des Rütibachs und des Schussfelds beim Schützenstand. Bild: zvg
Einen Monat lang leuchtete die Morloge, eine 300 Meter lange Uhr aus Licht, beim Schützenstand in Reichenburg, zur Freude der Besucher. Der Lichtkünstler Mark Ofner zieht so ein durchwegs positives Fazit. Für nächsten Advent lässt er sich bestimmt wieder etwas einfallen.
Mark Ofner, Schöpfer der Morloge. Bild: bel

Es mag etwas pathetisch klingen, aber als Sinnbild passt es: Das Licht dieser Morloge erleuchtete den Weg durch diese doch eher dunkle Zeit. Über die Adventszeit, also einen ganzen Monat lang, erfreute Mark Ofners Lichtinstallation in Reichenburg die Passanten und Besucher. Am Dienstag nun wurde alles wieder abgeräumt. Zeit also, um eine kleine Rückschau zu halten.

Mehr als nur eine Notlösung

Regelmässige Leserinnen und Leser dieser Zeitung erinnern sich an Mark Ofner: 66-jährig, Licht- und Lebenskünstler, letzten Sommer im Ferienhaus der Familie ganz oben an der Mittelbergstrasse in Reichenburg sesshaft geworden, mit eigenem Skulpturengarten. Seine Spezialität: überdimensionierte Uhren aus Lichtstelen, sogenannte Morlogen.

Mit der Idee, den Reichenburger Hirschlensee mit solch einer riesigen Installation zu umrunden, sorgte Ofner für Aufsehen (wir berichteten). Für eine Realisierung innert weniger Wochen war die Zeit aber dann doch zu knapp.

Dass es in Reichenburg auf die Adventszeit hin dennoch ein Lichtermeer gab, das erst noch die Uhrzeit in Echtzeit anzeigt, zeugt von Ofners Innovations- und Improvisationsgeist. Nach wenigen Abklärungen wurde eine zwar nur noch zweidimensionale, aber immer noch eindrückliche Lichtinstallation entlang der Mittelbergstrasse und des Rütibachs zwischen Schützenstand und Zielscheiben eingerichtet.

Jeden Abend war Mark Ofner fortan, unterstützt von seinem Neffen Philipp Ofner, unten beim Schützenhaus anzutreffen. Bei offenem Feuer und Grill wurde den Zaungästen Wurst und Fladenbrot sowie eine kleine Auswahl an Getränken angeboten – selbstverständlichcoronakonform. An gewissen Abenden habe es durchaus ein kleines Fest unter Freunden und Gästen gegeben, meint Mark Ofner schmunzelnd. Reklamationen seien aber dennoch keine eingegangen.

Nur der Wind stellte sich entgegen

Überhaupt zieht der Initiant ein durchs Band positives Fazit dieses intensiven Monats. Er habe doch recht zahlreiche Interessierte begrüssen dürfen, einige seien sogar zu Stammkunden geworden. Zwischendurch sei auch vom Angebot von Pius Holdener, dem Kutscher aus Benken, Gebrauch gemacht worden, der mit seinem schönen Zweispanner vorfuhr. Allerdings hätten hier die Corona-Vorgaben schon zu Einschränkungen geführt.

Die Freude über das Erreichte liess sich Mark Ofner auch durch ein paar wetterbedingte Missgeschicke nicht trüben. Es heisse da oben ja nicht ohne Grund «im Zug», erzählt er. Und es sei wohl auch kein Zufall, dass so viele Gleitschirme und Deltasegler ab der Kistleralp starten. Denn der Wind falle öfters völlig unverhofft in das Dorf ein – Fallwinde eben. Diese vermochten einzelne Lichtstelen mitsamt den Paletten umzuwerfen, eine fiel gar in den Rütibach. So ausgerechnet an Silvester um Mitternacht. Seine 21 zusätzlich aufgestellten Feuerwerke habe es prompt verblasen. Das alles sei aber schnell wieder in Ordnung gebracht worden.

Auch nächsten Advent aktiv

Was Mark Ofner nicht nur positiv in Erinnerung bleiben, sondern für die Zukunft Perspektiven eröffnen wird, seien die neuen Kontakte, die er knüpfen konnte. Womit sich die Frage stellt, ob die Morloge beim Schützenhaus in Reichenburg eine einmalige Aktion gewesen ist oder ob mit weiteren Projekten dieser Art gerechnet werden darf.

Ja, darf man, möchte man hier einfach mal in den Raum stellen. An Ideen mangelt es Mark Ofner jedenfalls heute schon nicht. Das Schützenhaus sei halt von der Infrastruktur her ideal, meint er, womit eine Fortsetzung an diesem Standort sehr wohl denkbar ist. Es könnte aber auch etwas ganz anderes entstehen, tönt Ofner an. Er werde sowieso mit Gemeindeschreiber Hansueli Hüberli Kontakt aufnehmen, zumal dieser sich stets offen und hilfsbereit gezeigt habe.

Ob allerdings das ursprüngliche Projekt am Hirschlensee jemals Realität wird, bezweifelt selbst Optimist Ofner. Zwar habe er inzwischen auch dank dem nun umgesetzten Projekt zu dortigen Landbesitzern einen guten Draht. Doch wenn die bürokratischen Hürden zu hoch seien, werde es ihm dann schnell zu blöd, redet der umtriebige Künstler Klartext. Man darf sich also überraschen lassen, was Tausendsassa Mark Ofner nächsten Advent aus dem Hut zaubert.

Andreas Knobel, March24 & Höfe 24