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Sport
02.12.2021
01.12.2021 11:13 Uhr

Linus Birchler: Einer für die Liste des Nationaltrainers

Ein Hüne: Der 2,05 Meter grosse Lachner Linus Birchler sorgt für Joner Punkte.
Ein Hüne: Der 2,05 Meter grosse Lachner Linus Birchler sorgt für Joner Punkte. Bild: Mario Gaccioli
Stammspieler in der NLA und Cupsieger: Der Lachner Linus Birchler ist im Team des TSV Jona Volleyball einer der Aufsteiger der letzten zwei Saisons. Dabei ist der 23-Jährige ein Späteinsteiger.

«Als ich mit 17 mit Volleyball anfing, wusste ich gar nicht, dass unser Verein ein Nationalliga-A-Team hat», erinnert sich Linus Birchler. Nur drei Jahre nach dem ersten Volleyball-Training stand der 2,05-Meter-Hüne in der höchsten Spielklasse am Netz. Allerdings nicht in seinem Stammverein: Denn 2018 hatte der Volleyballklub Einsiedeln seine Equipe aus der NLA abgemeldet. Damals war Linus Birchler noch nicht parat für den grossen Sprung.

Unter Beobachtung des Nationaltrainers

Inzwischen wurde der 23-Jährige mit dem TSV Jona Cupsieger, in dieser Woche wird er mit der Equipe vom Obersee im CEV Cup voraussichtlich beim niederländischen Spitzenklub Orion Doetinchem antreten. Einzig der Anruf von Nationaltrainer Mario Motta fehlt noch. «Ich habe sechs Mittelblocker auf meiner Liste, die ich beobachte. Linus ist einer dieser sechs Spieler», verrät Motta. «Er hat sich in den letzten Saisons stark verbessert. Es ist gut möglich, dass er der nächste Nationalspieler aus Jona sein wird.»

«Ich war überrascht, als Jona mich anfragte. Ich war mir nicht sicher, ob ich das kann.»
Linus Birchler

Im kalten Wasser gelernt

Linus Birchlers Karriere zeigt: Es geht auch mit spätem Start und ohne Sportschule. Seine Grösse ist sicher ein grosser Vorteil. «Ich war immer gross, bereits im Kindergarten»,berichtet Birchler. «Zeitweise wünschte ich mir, kleiner zu sein. Du wirst oft angesprochen, und das Reisen im Flugzeug ist mühsam. Aber dafür sehe ich in Konzerten alles», schmunzelt er. Im Volleyball ging es rasch voran. «Ich war überrascht, als Jona mich anfragte. Ich war mir nicht sicher, ob ich das kann.» Vor dem Wechsel hatte Birchler für Einsiedeln in der 1. Liga gespielt.

«Ich wurde ins kalte Wasser geworfen », beschreibt er die erste Saison im Joner Team. Zuvor habe er als Junior nur ein bisschen in der Nationalliga A geschnuppert. «Es gibt nicht so viele Spieler auf meiner Position, und ich konnte gleich immer spielen, weil Moritz Bolli verletzt war.» Er habe Zeit gebraucht, um sich an das schnellere Tempo zu gewöhnen. «Auf die schnellen Bälle noch besserreagieren und schneller rausschieben – das ist mein Hauptziel», sagt Linus Birchler. «Aber das ist auch das Schwierigste. Und im Angriff habe ich sicher auch noch viel Potenzial, das ich ausschöpfen kann.»

«Mit Volleyball verdienst du nicht viel»

Beruflich arbeitet Birchler in einem 70-Prozent-Pensum als Informatiker, vor einem Jahr hat er die höhere Fachschule begonnen. «Einen Tag pro Woche bin ich in der Schule, ein halber Nachmittag ist frei», sagt er. So viel zu arbeiten sei volleyballtechnisch gewiss nicht ideal. «Aber es ist eben eine Geldfrage, wie viel du im Job reduzieren kannst. Mit Volleyball verdienst du nicht viel in der Schweiz.»

Für mehr Geld in Näfels oder Luzern zu spielen, diese Angebote schlug Birchler aus. «Luzern kam wegen dem Zügeln und dem Job nicht infrage», blickt er zurück. Erst ein Jahr vorher war er nach Lachen gezogen, zu drei Kollegen aus Einsiedeln in eine Fünfeinhalbzimmerwohnung.

Stefan Kleiser, freier Mitarbeiter