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Sport In-/Ausland
01.05.2022
06.05.2022 15:38 Uhr

Vor 100 Jahren erfand ein Amerikaner Wasserski – und ging vergessen

Wasserskimeisterschaften 1965 in Amsterdam.
Wasserskimeisterschaften 1965 in Amsterdam. Bild: Wikimedia Commons
30 Millionen Wasserskifahrer, davon 4000 in der Schweiz, feiern dieses Jahr den 100. Geburtstag ihrer Sportart. Am 29. Juni 1922 gelang es dem 18-jährigen Amerikaner Ralph Samuelson erstmals, für ein paar Meter auf Skiern über das Wasser zu gleiten.

Samuelson war gleichsam auf dem Wasser zu Hause. Den Sommer verbrachte er in und auf dem Lake Pepin in Minnesota. Am liebsten liess er sich vom Motorboot seines Bruders auf einem grossen Holzbrett übers Wasser ziehen. Im Winter lief er Ski. Das müsste eigentlich auch auf dem Wasser funktionieren, sagte er sich.

Er versuchte es mit normalen Skiern. Ging nicht. Auch Fassdauben versagten. Also liess er sich zwei Bretter im Format 240 mal 23 Zentimeter zimmern. Die Enden bog er hoch, indem er die Latten stundenlang im Waschkessel seiner Mutter heiss einweichte.

Es folgten wochenlang misslungene Versuche, die Samuelson zum Gespött der Dorfjugend machten. Bis zu dem ominösen 29. Juni 1922, als er begriff, dass er die Spitzen beim Fahren stark nach oben halten musste. Erst blieb er nur ein paar Meter aufrecht, dann wurden es immer mehr, schliesslich war er so gut, dass er Schaulustige aus der ganzen Gegend anzog.

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One-Man-Show bringt Touristen ins Dorf

Eines Tages riss ihm eine vorbei flitzende Yacht den einen Ski weg. Aber Samuelson hielt sich über Wasser und erfand auf einem Ski nebenbei den Wasserski-Slalom. Gern wäre er schneller gewesen, das hätte ihm bessere Kunststücke ermöglicht. Aber das Boot seines Bruders fuhr nur 30 Stundenkilometer. Der Pilot eines Wasserflugzeugs, der Passagierflüge anbot (Walter Bullock) liess sich überreden, Samuelson mit seiner Kiste übers Wasser zu ziehen: Der Junge köderte ihn mit dem Hinweis, die Nummer wäre doch gute Werbung fürs Geschäft.

War es. Auch für dasjenige von Samuelson. Mittlerweile kam so viel Publikum, dass in seinem Wohnort Lake City ein regelrechter Tourismus entstand. Die Gemeinde sponserte dem blonden Draufgänger und seinem Bruder zum Dank das Benzin. Ausserdem wurde ein Pavillon am Ufer errichtet, in dem eine Band Samuelsons Darbietung musikalisch begleitete. Und die war mittlerweile recht kunstvoll und beinhaltete Sprünge über eine mit Speck eingeriebene Schanze.

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Dornröschen-Schlaf als Truthahnfarmer

Nach fünf Jahren war alles vorbei: Der Wasserski-Pionier verletzte sich den Rücken, zog von Lake City weg, wurde ein erfolgloser Truthahnfarmer und ging vergessen. Seine Wasserskis patentieren zu lassen, fiel ihm nicht ein. Nachdem 1925 der New Yorker Fred Waller Wasserskier zum Patent angemeldet hatte, galt dieser fast vier Jahrzehnte lang als Erfinder der Sportart.

Bis die Journalistin Margaret Mason in ihren Ferien am Lake Pepin Samuelsons Latten aufgehängt sah mit dem Hinweis "Die ersten Wasserskier der Welt". Mason liess sich den Namen des Urhebers geben und suchte mit einer Zeitungskolumne nach Samuelson. Nach ausführlichen Interviews verfasste sie zwei Beiträge über ihn. 1965 anerkannte auch die American Waterski Association den glücklosen Wassersportler als Erfinder des Geräts.

Wasserski-Königin Marina Doria und ihr italienischer Mann Vittorio Emanuele im Jahr 1969. Bild: Wikimedia Commons

Die Wasserprinzessin aus der Schweiz

An der Entwicklung der Sportart war die Schweiz nicht unwesentlich beteiligt: Der Internationale Wasserski und Wakeboard Verband (IWWF) wurde 1947 in Genf gegründet mit einem Schweizer als Präsidenten. Seither haben vier weitere Schweizer den IWWF geleitet, zuletzt 2001 bis 2017 Kuno Ritschard aus Unterägeri ( †2021). Der Schweizer Peter Frei ist gegenwärtig Kassenwart des Weltverbands.

Und mit der Genferin Marina Doria hat die Schweiz eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Wasserskisports hervorgebracht. Sie war die erste und bisher einzige Schweizerin, welche Weltmeisterin wurde. In verschiedenen Wasserski-Disziplinen eroberte sie 1955 und 1957 vier Weltmeistertitel.

Ausserdem war sie die Muse des Westschweizer Malers Emile Chambon, der sie in wunderschönen Gemälden wie «La championne de ski nautique, Marina Doria, 1956» und «Jeune fille aux mouettes, 1957-61» verewigte. Doch ihr Herz schenkte sie einem anderen: dem italienischen Prinzen Viktor Emanuel von Savoyen. Die beiden waren 16 Jahre lang verlobt, bevor sie 1970 heirateten. Die Ehe hält bis heute.

sda